Mit Herz durch Bamberg: Eine Stadtführerin erzählt

Wer in Bamberg übernachtet, zum Beispiel im Bamberger Hof, hat oft nur wenige Stunden, um die UNESCO-Welterbestadt zu entdecken. Genau hier setzt die Arbeit von Anneke Groot an. Seit 16 Jahren führt die zertifizierte Gästeführerin Besucher durch die Gassen zwischen Dom, Residenz und Fachwerkidylle – und das mit einer Begeisterung, die sofort ansteckt.

Vom Studium zur Herzensstadt

Eigentlich kam Groot nur zum Studieren nach Bamberg. Geblieben ist sie, weil die Stadt sie nicht mehr losgelassen hat. Was sie besonders schätzt: Trotz zahlreicher Kriege ist der historische Kern fast vollständig im Original erhalten geblieben. Alle wichtigen Sehenswürdigkeiten liegen zu Fuß oder mit dem Rad in kurzer Distanz beieinander, und auch die umliegende Natur ist schnell erreicht.

Diese Nähe zur Stadt macht sich bei jeder Führung bemerkbar. Groot kennt nicht nur die großen Wahrzeichen, sondern auch die kleinen Ecken abseits der Hauptrouten – und davon hat Bamberg reichlich zu bieten.

Ein internationales Publikum mit engem Zeitplan

Von Mai bis Oktober strömen Besucher aus aller Welt in die Stadt: China, Neuseeland, Australien, die USA und viele europäische Länder sind vertreten. Wer per Reisebus oder Flusskreuzfahrtschiff anreist, hat häufig nur ein sehr kleines Zeitfenster. Groot muss sich dann auf das Wesentliche konzentrieren – und schafft es trotzdem regelmäßig, dass Gäste Bamberg als Höhepunkt ihrer gesamten Reise bezeichnen.

Die Wahrnehmung der Touristenmassen ist dabei differenzierter, als man denken könnte. Im Vergleich zu Städten wie Amsterdam sei das Bamberger Straßenbild noch überschaubar, sagt Groot. Und ohne die Besucher würde der lokalen Wirtschaft eine wichtige Stütze fehlen.

Kultur trifft Einkaufserlebnis

Neben Dom und Residenz spielt für viele Gäste auch der Einzelhandel eine große Rolle, besonders für spanische Reisende und Passagiere von Flusskreuzfahrten. Gekauft wird dabei quer durch alle Branchen: Pralinen aus kleinen Manufakturen, Schuhe, Marktprodukte. Groot versteht sich in solchen Momenten auch als Bindeglied zwischen Einheimischen und Besuchern – sie möchte begeistern und gleichzeitig Verständnis für die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus schaffen.

Zwischen Fachvortrag und Unterhaltung

Nicht jede Gruppe tickt gleich. Kinder und Jugendliche hält Groot am ehesten mit Fragen und Dialog bei der Stange – und mit dem Hinweis, dass Teile des Films „Die Schule der magischen Tiere“ in Bamberg gedreht wurden. Gäste aus Japan oder China zeigen dagegen oft wenig Interesse an kirchengeschichtlichen Details, dafür umso mehr an guten Fotomotiven.

Eine Führung ist ihr besonders in Erinnerung geblieben: eine Gruppe sehbehinderter Gäste, die die Stadt über Geruch und Gehör erlebte statt über das Sehen. Diese andere Art der Wahrnehmung hat sie tief beeindruckt.

Weniger schön sind Momente völligen Desinteresses, etwa bei Pflichtteilnahmen im Rahmen von Betriebsausflügen, oder Störungen durch Telefonate, Gespräche während der Führung oder Alkohol in der Gruppe. Bei maximal 25 Personen pro Gruppe fällt zudem jede Verspätung ins Gewicht, gerade wenn Anschlusstermine von Bus oder Schiff drängen. Trotzdem überwiegt für Groot klar die Freude an der Arbeit: Urlaubsgäste sind in der Regel gut gelaunt und aufmerksam.

Ein Geheimtipp bleibt geheim

Nach ihrem persönlichen Lieblingsplatz gefragt, hält sich Groot bedeckt – zu groß ist die Sorge, dass er sonst zum Instagram-Hotspot wird. Eine Empfehlung gibt sie aber gerne weiter: den Lesesaal der Staatsbibliothek in der Neuen Residenz. Prunkvoller Stuck, historische Bücherregale und im Sommer ein Fensterplatz mit Blick auf den Rosengarten machen ihn zu einem der schönsten Rückzugsorte der Stadt.


Wer selbst eine Stadtführung in Bamberg erleben möchte, findet vom Bamberger Hof aus schnellen Zugang zu allen wichtigen Sehenswürdigkeiten der Altstadt.

Quelle: Interview „Bamberg verführt – Stadtführerin aus Leidenschaft“, Gastgeber Bayern, Ausgabe 02/2026, DEHOGA Bayern (www.gastgeber.bayern/stille-stars)